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Sydney Marathon – 2003

sydney-marathon-kieselJens Kiesel in 3:06 St. beim „Traum“-Marathon in Sydney

Seit zwei Monaten studiere ich nun hier in meiner Traumstadt und was könnte einem treuen LT Speeketze Marbach – Läufer da besseres passieren als seinen Verein in der Marathon-Ergebnisliste 2003 zu verewigen? Nach zahlreichen Trainingskilometern in den Parks von Sydney war es dann am 14. September endlich so weit. Ich verrückter Heubacher stand morgens um 7.00 Uhr bei gerade aufgegangener Sonne zwischen den 1700 Läufern in North Sydney auf der Straße. Hinter den verblassten fünf riesigen olympischen Ringen auf der Strasse beginnt die Blaue Linie, die vor drei Jahren für den Olympia-Marathon auf die Straßen Sydneys gepinselt wurde. Die nächsten drei Stunden sollte mich die „Blue Line“ über die 42km bis ans Olympiastadion begleiten.

sydney-harbour-bridgeEines der Highlights des Marathons erwartete uns gleich zu Beginn. Nach zwei Kilometern hatten die Läufer nämlich das einmalige Recht auf der sechsspurigen Straße über die Harbour-Bridge zu laufen. Der wahrscheinlich schönste Stadt-Hafen der Welt mit dem berühmten Opernhaus lag uns zu Füssen. Ein einmaliger Blick auf die sonnenbestrahlte Skyline lässt die 40 noch zu bewältigenden Kilometer verblassen. Vorbei an Circular Quay und dem ältesten Stadtteil Sydneys – the Rocks, wo Cook damals die Englische Fahne gehisst hat – führt die Blaue Linie in Richtung Hyde Park und schließlich auf die Oxfort-Street mit den zahlreichen Nachtclubs, aus denen noch morgens um 7.30 Uhr dumpfe Musik dröhnt. Hier wurden wir von übernächtigten Partygängern, die teilweise gerade aus den Pubs stolperten oder auf den Dächern saßen, lauthals angefeuert. Danach erreichte ich nach knapp 45 min. den 10km Punkt im Centennial Park. “War das jetzt zu schnell?!” Kleine Zweifel überkamen mich, denn schließlich war es erst mein zweiter Marathon… und über den ersten möchte ich lieber kein Wort verlieren. Aber ich entschied mich einfach meinem Gefühl zu vertrauen und genoss die Atmosphäre in Sydneys größtem Park. Schließlich hat hier unser Jan Ullrich damals olympisches Gold im Zeitfahren geholt. Die blaue Linie führte vorbei an zahlreichen Wasserstellen, die bei dem strahlendblauen Himmel mit Sonnenschein und 25 Grad, stark in Anspruch genommen wurden. Weiter ging es dann die Anzac-Parade in Richtung University of New South Wales hinauf zum Wendepunkt. Die Zeit verging bis 1h 34min wie im Fluge und ich erreichte die Halbmarathon-Linie. Danach tauchte das mittlerweile stark auseinandergezogene Läuferfeld in die schattigen Hochhausschluchten Sydneys ein. Hier war der einzige deutsche Fanclub zu sehen: Ein Paar mit einer großen Deutschen Flagge stand wedelnd am Straßenrand, bevor es wieder hinaus in die Sonne und hinauf zur modernen Anzac-Bridge ging. Auf dem breiten und einsamen Highway in Richtung olympisches Dorf hatten wir die Sonne im Rücken und ein warmer Gegenwind blies uns ins Gesicht. 30km lagen nach 2h 13min hinter mir und durch beschauliche Wohngebiete ging es vorbei an lecker duftenden Gartenbarbecues. Bei km 37 lagen dann die Ersten, die sich ein bisschen übernommen hatten, neben Sanitätern am Straßenrand. Aber auch an mir gingen die Kilometer nicht spurlos vorüber. Die Beine taten mir arg weh und ich bekam Angst vorm nächsten Morgen, doch irgendwie hatte ich das 40km Schild nach 2h 55min niedergekämpft. Die letzten beiden Kilometer kamen mir so lange vor wie die ersten 20. Mit einer Gänsehaut und dem Unglauben über dir erreichte Zeit, überquerte ich nach 3:06:25 Stunden als zweiter Deutscher und als insgesamt 57. die Ziellinie am Telstra Stadium. Der Erste, Oswald Revelian aus Tansania kam mit einer Zeit von 2:26:03 ins Ziel. Direkt neben dem Olympischen Feuer, das auch wirklich brannte, habe ich dann symbolisch unsere LT-Speeketze Marbach-Flagge gehisst. Obwohl ich mit unserem LT auch schon ein paar verrückte Sachen mitmachen durfte, war es ein unglaubliches Erlebnis, und mit Sicherheit nicht mein letzter Marathon in solch einer Weltstadt.